Am Ende dieses Buches bleibt dennoch die Grundsatzfrage offen und zumindest ansatzweise zu klären: Ist ein so rigoroser Ausschluß der Möglichkeit sprachlicher Verständigung über philosophische Themen (Probleme und Lösungsvorschläge), wie es die Position des T vorsieht und wie in die sem Buch bis dato fraglos vorausgesetzt wird (in der Tat liest sich dieses und ist größtenteils zu lesen als Plädoyer der T-Position, - ist dieses Verbot tat sächlich zu halten angesichts andersartiger Praxis und Notwendigkeit? Denn es gibt ja philosophische Diskussion und es muß ja die Diskussion über die verschiedenen Möglichkeiten von Sinn bzw. die Diskussion über die Möglichkeit von Sinn überhaupt, mithin die Philosophie als konsensbedürftige, aber auch konsensfähige Disziplin geben. Die Antwort vorweg: (1) dieser Rigorismus des T ist in dieser Form nicht haltbar, denn die dabei vorauszusetzende Utopie der Überflüssigkeit von (philosophischer) Verständigung über Sinn (u.d.h. gleichzeitig die Utopie einer problemlosen Praxis von Verständigung mit Sinn) ist prinzipiell nicht einlösbar; effektiv wird im T der Philosophie nicht Überflüssigkeit nachgewiesen, sondern Unmöglichkeit (Unsinnigkeit) - doch dieser Nachweis be ruht auf einem beschränkten Begriff von Sprache. (2) Andererseits enthält das in diesem Rigorismus positiv ausgezeichnete Programm der Philosophie als Tätigkeit einen Ansatz, der über den T hinausweist und die Möglichkeit einer Philosophie als Sprachhandlungen formalsierende und deren Formen forumlierende Tätigkeit eröffnet, die einerseits sehr wohl in der Kapazität von Sprache liegt, andererseits aber nicht formulierbar ist mit der Kapazität des jeweils formalisierten Sprachsystems - die Crux des T besteht gerade da rin, daß das hier reflexiv-formalisierte Sprachsystem als (Möglichkeit von) Sprache überhaupt vorausgesetzt wird, was umso nachteiliger ist, als dieses in pragmatischer Hinsicht beschränkt ist. (3) Das positive Destillat aus diesem Rigorismus des T ist in der Summe der Punkte (1) und (2) die "Wahrheit" (dies ist m.E. eine der im Vorwort des T beanspruchten "unantastbaren und 210 definitiven" Wahrheiten), daß philosophische Tätigkeit prinzipiell immer nur einen Bereich von Sprache (bzw. Erkenntnis oder Wirklichkeit) thematisiert und formalisiert, sodaß sie sich selbst nicht als Entformalisierung dieses beschränkten Sprachsystems darstellen kann, ohne in Widersprüche zu geraten. M.a.W.: die Falle der sprachlichen Selbstbezüglichkeit schlägt dann zu, wenn die sich als Sprachsystem niederschlagende, formalisierend-formulierende philosophische Tätigkeit ihre eigene Möglichkeit von Sinn aus der gerade durch sie begrenzten Möglichkeit von Sinn abzuleiten versucht, oder wenn das schlechthin Unmögliche versucht wird: ein Sprachsystem zu formulieren, welches alle Sprachhandlungen inklusive der in der Formulierung dieses Systems getätigten philosophischen Sätze soll enthalten können