Wittgensteins Tractatus und die Unsinnigkeit philosophischer Sätze

Trotzdem verfolgt der Nachweis jener Unsinnigkeitsthese auch in ihrer absoluten, pointierten Form ein sinnvolles Ziel: weniger soll allein der Philosophie das Recht auf Sinnhaftigkeit streitig gemacht werden (denn am ehesten werden in ihr diesbezüglich Zweifel geäußert), als vielmehr Skepsis gestreut werden in die fraglos vorausgesetzte Begriffspraxis einiger Wissenschaften, die, mögen sie noch so wissenschaftlich scheinen, letztlich doch auch mit Sinn von Sprache und Handlung zu tun haben und darüber eben Aussagen treffen: ich denke an die Sprach- und Sozialwissenschaften, aber auch an die sich ungemein technisch gebärdende, Sinn und Möglichkeiten von Sinn als durch Maschinen simulierbar (vollzieh- und reflektierbar) unterstellende Informationswissenschaft. Eine solche Skepsis sollte zeigen, daß Rede über Sinn etwas prinzipiell anderes ist als Rede über Tatsachen; daß in der Rede über Sinn "formale" Begriffe ins Sprachspiel kommen, die nicht mit "eigentlichen" Begriffen, mit welchen Tatsachen dargestellt werden, zu verwechseln sind; und schließlich, daß die autarke, implizit-selbstbezügliche Reflexivität der natürlichen Sprach- und Handlungskompetenz nicht als definitiv begrenztes Modell einer Sprach- und Handlungstheorie formulierbar und nicht als Kapazität einer Maschine machbar ist: in ein solches Modell bzw. in eine solche Kapazität könnte nämlich unmöglich die zu deren Konstruktion notwendige Reflexivität eingehen bzw. eingebaut werden. Die Maschine kann sich wohl in ihr eigenes System verfangen, nicht aber sich daraus selbst entwirren: genau das aber muß der Mensch können und genau das zwingt ihn zu Offenheit und erlaubt ihm Freiheit.