Die Philosophie der Postmoderne von Jean-François Lyotard...

Der Ausläufer eines solchen Überganges ist die wissenschaftlich und technologisch hochentwickelte, ethisch und politisch jedoch labile postindustrielle Informationsgesellschaft: obzwar sie auch im Geist der Aufklärung verwurzelt ist, vermag sie nunmehr zynisch jeden aufklärerischen Legitimationsdruck abzuwehren mit dem Hinweis auf die ihr selbst genügenden Kriterien des eigenen Funktionierens, ihrer "Performativität", als Optimierung von Input und Output. Im postmodernen Zeitalter, angesichts der faktisch gewordenen Pluralität wissenschaftlicher und politischer Praxis, erweist sich die Moderne in ihrer Fixierung auf Ideale als theoretisch unzureichend fundiert: hier setzt der "tragische Diskurs" (Lyotard) der Postmoderne an, um über Funktion, Umgang und Einsatz von Idealen zu diskurrieren und (wieder einmal) radikal aufzuklären. Die philosophische Postmoderne setzt akzentuiert einen Kontrapunkt zur Moderne: die mannigfachen Figuren der Legitimierung menschlichen Handelns durch Ideale können nicht mehr weiter fraglos akzeptiert werden; mehr noch: das Unterfangen selbst, menschliches Handeln durch Ideale zu legitimieren, ist unsinnig. Ideale sind abzulehnen, wenn sie auf die Funktion einer Legitimationsstrategie von Lebensformen und Sprachspielen reduziert werden, wenn sie z.B. als ideologisches Fundament politischen Insitutionen unterschoben werden oder wenn politische Institutionen als Inkorporationen von Idealen unterstellt werden. Diesen unglaubwürdig gewordenen Spielen der Moderne mit den Idealen der Menschheitsgeschichte setzt die Philosophie der Postmoderne ein Ideal entgegen, das keine menschliche Handlung, kein Ereignis je zu realisieren vermag, das (in der Diktion Kants) nie "gegeben", immer nur "aufgegeben" ist: das darum immer nur die Hintergrundfolie permanenter kritischer Delegitimation menschlichen Handelns sein kann.