Klaus Niedermair
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Wittgenstein Tractatus

Die Totalität (als Satzvariable) aller Sätze und aller diese reflektierenden philosophischen Sätze bleibt der philosophischen Reflexion unverfügbar, sie ist die "regulative Idee" einer zu erweiternden, aber nicht abschließbaren Formalisierung. Das Übel, warum philosophische Systeme durch (explizte) Selbstbezüglichkeit widersprüchlich werden, ist also nicht in der Reflexivität (in der impliziten Selbstbezüglichkeit) der natürlichen Sprache (besser: der Sprachkompetenz) zu suchen, nicht ihr ist der Prozeß zu machen, sondern das Übel beginnt, wenn ausgehend von einem eingeschränkten Sprachsystem (und zwar notwendigerweise eingeschränkt, da ja der Formalisierung nicht die dabei vorausgesetzte Reflexionssprache zugrunde liegen kann) versucht wird, die Reflexivität der natürlichen Sprachkompetenz mit den Möglichkeiten des jeweiligen Sprachsystems zu praktizieren: dann nämlich zeigt die natürliche Reflexivität (Selbstbezüglichkeit) ihr zweites Gesicht, insofern (das ist die Grundparadoxie von Philosophie) sie als ursprüngliche Bedingung der Möglichkeit (als implizit-autarke Selbstbezüglichkeit) von Philosophie nunmehr zu deren nachträglicher Bedingung der Unmöglichkeit (als explizit-vitiöse Selbstbezüglichkeit) ausartet.

Frankfurt am Main u.a: Lang (Europäische Hochschulschriften: Reihe 20, 220)
Aus:
Niedermair, Klaus: Wittgensteins Tractatus und die Selbstbezüglichkeit der Sprache. Frankfurt am Main u.a: Lang, 1986
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