Publikationen

Hug, Theo; Niedermair, Klaus (Hrsg.): Handreichung Wissenschaftliches Arbeiten
5., erweiterte und überarbeitete Auflage, Innsbruck: Studia, 2025, ISBN 978-3-99105-048-3
Jahr:
2025
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Beschreibung, Abstract
Die vorliegende Handreichung ist vor allem als Einstiegshilfe für StudienanfängerInnen konzipiert. Sie bietet Orientierungen und Klärungen im Bereich der Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens, und sie ermutigt die LeserInnen, sich auf das Abenteuer Forschung einzulassen. Das Buch hat sich darüber hinaus als hilfreicher Wegbegleiter auch in höheren Semestern bewährt. Zahlreiche vertiefende Hinweise auf Internetquellen und weiterführende Literatur runden das Kompendium ab. Die 5. Auflage wurde umfassend überarbeitet und erweitert im Hinblick auf neue digitale Techniken und Tools. Ausführlich behandelt wird vor allem die Frage, wie im wissenschaftlichen Arbeiten die Werkzeuge der sog. Künstlichen Intelligenz differenziert und reflektiert zum Einsatz kommen können. Für diese Handreichung selbst gilt das Gütesiegel „KI-frei“. Verfasst wurden die Beiträge von: Tobias Antensteiner, Karoline Bitschnau, Lea Dechert, Arthur Drexler, Eva Fleischer, Theo Hug, Michael Huter, Kathrin Jarosik, Otto Kruse, Matthias Marini, Klaus Niedermair, Michael Nonnato, Gerhard Ortner, Daniela Rothe, Marie Sophie Schipflinger und Britta Elisabeth Suesserott.
Lesprobe

Ist Luhmanns Zettelkasten durch KI ersetzbar?
Ist Luhmanns Zettelkasten durch KI ersetzbar? Dazu ein euphorisches Statement: „#KI wie #ChatGPT ist ein unglaublicher Booster für die menschliche Kreativität. Was Niklas Luhmann einst als Vision für seinen Zettelkasten hatte, steht nun allen zur Verfügung: Die Weiterentwicklung der eigenen Gedanken durch den Dialog mit der eigenen intellektuellen Spiegelung. […] Das Wort ‚Reflexion‘ bekommt hier wieder seine eigentliche Bedeutung.“ (https://det.social/¬@HxxxKxxx/¬109823236460948019)
Die künstliche Intelligenz ist tatsächlich ein Booster, eine Inspiration, ein neues Spielfeld für Kreativität, Experiment, Theoriebildung – und bei alledem auch eine Herausforderung für die menschliche Intelligenz und eine Verpflichtung darüber nachzudenken, worin der Unterschied zwischen den beiden „Intelligenzen“ besteht, und diesen immer mitzudenken. KI-Tools wie ChatGPT, die auf der Funktionsweise der LLMs beruhen, sind interessant, spannend, inspirierend und hilfreich im Forschungsprozess. Aber kann KI wirklich das ersetzen, was Luhmann als seine eigene wissenschaftliche Wirklichkeit geschaffen hat? Kann diese Reflexionsarbeit, diese jahrzehntelange aktive Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Literatur, mit Theorien, Hypothesen usw. durch KI ersetzt werden? Nein. Das erkennt man schon daran, wie ChatGPT funktioniert. Es bastelt ein Wörter-Sätze-Aggregat, indem – vereinfacht gesagt – mit hohem Rechneraufwand aufgrund von Algorithmen aus Unmengen von Textmaterial ermittelt wird, welche Wörter oder Sätze zusammen statistisch am häufigsten vorkommen. Das so entstandene Wörter-Sätze-Aggregat wird erst dann verstanden und interpretiert als sinnvoller Text und nur von Menschen – die sich wundern, was da zustande kommt. Die KI tut so, als ob das ein sinnvoller Text ist, sie simuliert einen sinnvollen Text, genau genommen also nur einen statisch wahrscheinlich sinnvollen Text, der wirklich sinnvoll erst dann sein kann, wenn wir ihn verstehen und interpretieren, wir geben ihm Sinn. Wenn wir mit einem KI-Text etwas tun, kann KI auch ein Booster sein. KI wird dann „zu einer Denkassistentin, mit der man Themen entwickeln, diskutieren und von der man sich anregen lassen kann“. Durchaus, aber warum muss man dabei annehmen, dass die KI denkt? Und warum benötigt man zur Bekräftigung dieser Annahme die niedliche Metapher der Denkassistentin? Es ist nicht zielführend, menschliche und künstliche Intelligenz gleichzusetzen, auch nicht metaphorisch, leider ist das eine Grundtendenz, wenn wir über KI sprechen. Anstatt Unterschiede zu nivellieren, ist es geraten, die grundsätzlichen Unterschiede deutlicher zu machen. Was KI generiert, ist wie gesagt das Ergebnis von Algorithmen, Statistik und Wahrscheinlichkeitstheorie, eine black box –- schon allein die Tatsache, dass KI-generierte Texte nicht nachvollziehbar und nicht begründbar sind, disqualifiziert sie für wissenschaftliche Kontexte, denn Nachvollziehbarkeit und Begründbarkeit ist das primäre Qualitätskriterium von Wissenschaft. Was diese KI generiert, ist nicht das Ergebnis von Reflexion, insofern auch keine „eigene intellektuelle Spiegelung“ – und schon gar nicht könnte so das Wort „Reflexion“ wieder seine eigentliche Bedeutung bekommen…