Wissenschaftstheorie ist eine Basiskompetenz

Wissenschaftstheorie ist eine Basiskompetenz in Forschung, Lehre und Studium. Das Ziel von Wissenschaft ist Erkenntnis der Wirklichkeit, das heißt, eine Theorie zu finden, eine Theorie zu bilden über ein Phänomen, das noch ein Rätsel ist und noch nicht erklärt oder verstanden werden kann, und diese Theorie dann zu begründen. Doch die Wissenschaft denkt auch darüber nach, wie man zu einer Theorie über ein Phänomen kommt, wie man Theorien begründet. Und dafür sind – auch das weiß man in der Wissenschaft – einige prinzipielle Voraussetzungen entscheidend, unter anderem darüber, was eigentlich die Wirklichkeit ist, wie man sie über-haupt erkennen kann, welche Erkenntnisziele es insofern geben kann, welche Forschungsmethoden jeweils geeignet sind. Diese Voraussetzun-gen ergeben, wenn man sie in ihren Möglichkeiten ausbuchstabiert, die Vielfalt und die Diversität der Wissenschaft.
Trotzdem werden die wissenschaftstheoretischen Fragen oft ausgeblendet, z. B. wird eine Forschungsmethode wie selbstverständlich als die Methode überhaupt gesehen, eine Fachdisziplin als die typische Wissenschaft un-terstellt.
Die Wissenschaftstheorie kümmert sich um diese blinden Flecken, sie hinterfragt den latenten Dogmatismus und seine vermeintlichen Selbstver-ständlichkeiten und bringt Alternativen ins Spiel. Mehrere Wege führen zu Erkenntnis, Wissenschaftstheorie zeigt sie und bereichert die Wissenschaft um Handlungsmöglichkeiten. Das ist ihr Bonus. Wissenschaftstheorie entwirft insofern auch eine ideale Wissenschaft als normative Kontrastfolie zum ambivalenten und oft desaströsen Bild der Wissenschaft in der Öffentlichkeit, jenseits von Wissenschaftsgläubigkeit und Wissenschaftsfeindlichkeit.